Die Riege

Die Frage die sich bei der Betrachtung der Geschichte der August-Schlicker-Riege stellt, ist, warum gründete man 1924 eine „Alters- und Gesundheitsriege“? Die Gründe sind bei genauer Betrachtung einfach zu erkennen. August Schlicker war 1924 in einem Alter von 42 Jahren. Dies ist, genau wie heute auch, kein Alter um Hochleistungssport, geschweige denn das Geräteturnen zu betreiben. Außerdem war August Schlicker Vorsitzender einer Damenriege, die sich zur damaligen Zeit mit Gymnastik und Keulenschwingen fit hielt. Es lag also nahe, Männer im gleichen Alter von ca. 30 bis 50 Jahren in ähnlicher Form zu bewegen. Das Wort „Gesundheit“ ist ein Aspekt, der damals wie heute seine Gültigkeit hat. Die Unterschiede zur heutigen Riege sind in der Struktur und in der Ausführung jedoch erheblich.

In der damaligen Zeit war es üblich, dass ein Altersturnwart eine Turnriege verwaltete und zur gleichen Zeit auch bewegte. Er war der Vorturner und dies in allen Angelegenheiten. Die geselligen Belange standen in einer Zeit ohne Fernsehen viel stärker im Vordergrund als dies heute der Fall ist. Belegt wird dies durch die Aufschreibungen im Riegenbuch, wo neben den sportlichen Aktivitäten, auch auf die geselligen Veranstaltungen mit Angaben über Preise, Ausführung und  alle anderen weiteren Einzelheiten eingetragen sind. Bei der August-Schlicker-Riege änderte sich diese oben beschriebene Riegenstruktur Anfang 1970. Die Altersturnwarte Schlicker, Hartgenbusch und Rebein (Herbst) waren aus Altersgründen in den sportlichen Ruhestand getreten. Es setzte eine kurze Zeit der Stagnation ein. 1971 konnte lt. Protokoll der Jahreshauptversammlung des TV Arnsberg 1861 aus Mangel an geeigneten Kandidaten noch nicht mal ein Altersturnwart gewählt werden.

Dies änderte sich im Jahre 1972. Mit Helmut Melzer wurde ein Altersturnwart gefunden, der die Zeichen der Zeit erkannt hatte. Der Altersturnwart legte die sportlichen Belange der Riege in die Hände erfahrener Übungsleiter. Neue Erkenntnisse der Bewegungsabläufe und im gesamten Gesundheitssport flossen in das Training mit ein. Der Ausdruck „Funktionsgymnastik“ spiegelte die Realität wieder. Nach Helmut Melzer, der leider viel zu früh verstarb, übernahm Franz Höfer das Amt des Altersturnwartes. Unter Franz Höfer nahm die Qualität der sportlichen Aktivitäten ein sehr hohes Niveau an, welches auch unter dem jetzigen Altersturnwart Norbert Gehrmann gehalten wird.

Entscheidend für dieses hohe Niveau ist jedoch hauptsächlich die Qualität der Übungsleiter, sprich „Trainer“. Bis zum heutigen Tag hatten die Riege und ihre Altersturnwarte ein glückliches Händchen bei der Auswahl der Übungsleiter. Unter der Federführung von Franz Höfer wurde am 21.Februar 1993 eine wichtige Änderung in der Riege durchgeführt. Die Altersbandbreite der Turnbrüder hatte ein Ausmaß erreicht, dass sich von 25 bis über 70 Jahre erstreckte. Die Gestaltung des Trainings wurde für die Übungsleiter sehr schwierig, weil sich die Jüngeren unter- und die Älteren überfordert fühlten. Seitdem wird in 2 Gruppen trainiert und jeder Turnbruder kann sich seines Leistungsvermögens entsprechend bewegen, Der Übungsabend gestaltet sich für beide Gruppen wie folgt: Begonnen wird mit Funktionsgymnastik, anschließend kann Volleyball, Badminton oder eine andere Ballsportart gewählt werden. Während der Wintermonate steht auch ein 30° warmes Lehrschwimmbecken zur Verfügung.

Wichtig ist auch, dass der gesellige Teil, wie schon früher, seinen Platz in der Riege hat. Vor 80 Jahren wurden die gleichen Feste wie heute gefeiert. Es gab Weihnachtsfeiern mit und ohne Nikolaus, Sommerfeste und den berühmten Riegenstammtisch im Anschluss an den Übungsabend. Tagte man damals in der Krone bei Reiters, so trifft man sich heute bei „Edelbroichs Tante“. Damals wie heute trank man in der Riege Nikolaschka, selbst während des 2. Weltkrieg (mit Bohnenkaffee und Zitrone!!). Abschließend kann festgestellt werden, dass die Riege wie vor 80 Jahren lebt. Sie pflegt das Alte und steht dem Neuen aufgeschlossen gegenüber.

Das Riegenbuch

Am 7. Oktober 1924  wurde im Turnverein Jahn Arnsberg eine Alters- und Gesundheitsriege gegründet. Der Urheber dieser Riegengründung war August Schlicker. Am 5. Februar 1925 wird diese Gründung in der Jahreshauptversammlung des TV Jahn Arnsberg im „Goldenen Stern“ unter der Leitung des 1 . Vorsitzenden, Oberregierungsrat-und Gewerbeschulrat Lindner bestätigt. Diese Daten sind in einem Zeitungsbericht vom 5. Februar 1925 unter der Meldung: „Aus dem Sauerlande“ festgehalten. Dieser Zeitungsausschnitt befindet sich am Anfang des Riegenbuches und ist dort fest eingeklebt. Leider verdeckt dieser fest eingeklebte Zeitungsausschnitt eine weitere schriftliche Eintragung. Ein wahrer Glücksfund ist dieses Riegen- und Berichtebuch für unsere heutige Zeit. Die Eintragungen beginnen am 13.01.1925 und enden am 28.11.1970. Neben dem regelmäßigen Turnbetrieb wie Übungsabende, Turnfeste und Wettkampfteilnahmen sind auch die geselligen Veranstaltungen eingetragen. Fotografien von den wichtigsten Veranstaltungen sportlicher und geselliger Art, sind ebenso vorhanden wie persönliche Dinge der Turnbrüder. Es grenzt an ein Wunder, dass dieses Buch in einem hervorragenden Zustand ist und unbeschadet den 2. Weltkrieg überstanden hat. Besonders aussagefähig sind einige der eingeklebten Bilder, die verdeutlichen wie hoch das Riegenbuch in Ehren gehalten wurde. Bei einem Wechsel von einem Altersturnwart zum nächsten wurde eine feierliche Übergabe veranstaltet. Mit Hilfe dieses Buches ist ein fast lückenloser Rückblick auf die Geschichte der Riege möglich.

Namensgebung

Nach ihrer Gründung im Jahr 1924 wurde die Riege Altersturnriege oder kürzer Altersriege genannt. Ergänzt wurde die Bezeichnung um die Vereinsbezeichnung im TV Jahn Arnsberg bzw. TV Arnsberg 1861. Bezeichnungen wie „Jedermann-Gruppe“ oder „Männerriege“ wurden in späterer Zeit verwendet, um die Aktivitäten in der Gruppe zu definieren. Diese Bezeichnungen wurden der Mode entsprechend von Zeit zu Zeit geändert. Selbst der Ausdruck „Ich mache bei den Alten mit“ hat sich über Jahre gehalten. Der Name „August-Schlicker-Riege“ ist, wie Franz Höfer in mehreren Berichten erklärt hat, um das Jahr 1955 zur festen Bezeichnung der Riege geworden, Ein genaues Datum ist nicht feststellbar. Ohne jeden Zweifel wird diese Namensgebung den Verdiensten August Schlickers gerecht. Am 16. November des Jahres 1951 zieht sich August Schlicker im Alter von fast 70 Jahren und einer 27-jährigen Riegenführung in den sportlichen Ruhestand zurück. Der Name ist zur Identifikation geworden. Nach einer kurzen Zeit sprach man von der „August-Schlicker-Riege“. Seit 1955 wird in Protokollen u. Publikationen der Name verwendet. Ohne Zweifel ist es möglich, dass der Name auch schon vorher im Umgang mit der Riege verwendet wurde. Das Riegenbuch gibt hierüber keine Auskunft. Zur aktiven Zeit des August Schlicker wurde lt. Riegenbuch die Bezeichnung „Altersriege“ verwendet“. Leider hat Jakob Hartgenbusch die Spalte“ Zug oder Riege“ im Riegenbuch nicht ausgefüllt.

Die Nikolaschka Zeremonie

Die Zeremonie ist heute wie früher die gleiche und lautet:

„Wir haben eine Runde Nikolaschka vor uns stehen. Was ist der Anlass?“.

Es folgt die Lobeshymne des Altersturnwart oder Riegenältesten auf den edlen Spender.

Nikolaschka ansehen und riechen.
Nochmals riechen.
Anfassen, falten und einschieben.
Kauen
Anheben und langsam genussvoll überlaufen lassen
Weiter kauen
Ablegen
Nikolaschka Nr. 1 (2,3) kaputt.

Es folgt dann das Lied „Hoch soll er leben“. Auch der edle Spender ist zum Gesang verpflichtet. Diese Pflicht erlischt erst, falls mehr als 7 Riegenmitglieder anwesend sind. Falls kein Hoch erschallt, gibt es die Dankeshymne. Mehr als 2 sollten an einem Abend nicht getrunken werden, manchmal ist Mitternacht aber nicht weit.

Rezeptur des Nikolaschka: Klarer Korn mit Bonekamp. Auf das Glas aufgelegt wird eine Zitronenscheibe. Auf diese Scheibe kommt gemahlener Bohnenkaffee mit weißem Zucker. Die Zitronenscheibe darf, je nach Vorrat, rasierklingendünn bis 5mm dick sein.